Alumna Stories: Nadja Scherer

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Frauenförderung

Deutschlands Business Schools wollen attraktiver für weibliche Studenten werden – und stehen sich dabei mitunter selbst im Weg. 

Das Netzwerk der alten Männer

An Chuzpe mangelt es Nadja Scherer nicht. Auch in der dritten Runde des Bewerbungsgesprächs bleibt sie hart. „Für mich gab es nur zwei Alternativen“, sagt die heute 38-Jährige rückblickend. „Entweder ich sage zu und starte sofort das berufsbegleitende Studium. Oder ich sage ab.“ Scherer bekommt beides: den neuen Job und die Zulassung zum Executive-MBA-Programm an der Mannheim Business School. Für sie erfüllt sich damit 2016 ein Herzenswunsch. Der Master of Business Administration (MBA) gilt als renommiertester Wirtschaftsabschluss und als erstklassige Qualifikation für Führungskräfte, die ganz nach oben wollen. „Nach 15 Jahren im Beruf habe ich regelrecht für ein Update meines Uniwissens gebrannt“, sagt Scherer. 

Was dann folgt, ist eine knüppelharte Zeit: Zum einen die neue Stelle als Managing Director beim Kartonhersteller Pankaboard in Wiesbaden, zum anderen das Studium, de facto ein zweiter Fulltime-Job. Alle sechs Wochen reist die Mutter von zwei kleinen Töchtern für je fünf Tage nach Mannheim oder zur Partnerhochschule ESSEC nach Paris. Zwischendurch geht es noch für je eine Woche an Universitäten nach Washington, Singapur und Seoul. 

Eineinhalb Jahre später hat Nadja Scherer nicht nur ihren MBA-Titel in der Tasche, sie ist auch eine begehrte Botschafterin der Mannheim Business School. Ihr Beispiel soll Schule machen. Denn Deutschlands Managementschmieden leiden unter eklatantem Frauenmangel. In Mannheim etwa liegt der Anteil weiblicher Studenten in den verschiedenen MBA-Programmen zwischen 30 und 40 Prozent, beim Teilzeit-MBA nur bei 20 bis 25 Prozent. Zum Vergleich: In den USA sind im Schnitt 42 Prozent der MBA-Aspiranten Frauen. 

Die Lage an den deutschen Wirtschaftshochschulen spiegelt das Bild in den heimischen Unternehmen: Nur 13,4 Prozent der Vorstände in Dax-Konzernen sind weiblich, im MDax und TechDax ist der Anteil sogar noch geringer. Viele Firmen zeigen zudem wenig Neigung, daran etwas zu ändern. In einer Studie der deutsch-schwedischen Allbright-Stiftung gaben mehr als zwei Drittel der befragten Firmen an, keine Frau im Vorstand zu haben – und die Mehrheit will daran auch nichts ändern. 

Die Dominanz des Old-Boys-Networks in Deutschland sei nach wie vor stark, sagt Nick Barniville, stellvertretender Dekan der Berliner Business-School ESMT. Zudem mangele es an weiblichen Vorbildern sowie nach wie vor an der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Der durchschnittliche MBA-Absolvent sei 30 Jahre alt – also in dem Alter, in dem viele eine Familie planten. 

Zum Teil hätten sich die Hochschulen das Missverhältnis der Geschlechter aber auch selbst zuzuschreiben, räumt Barniville selbstkritisch ein: „Business-Schools gelten in den Augen von Frauen irrtümlich oft als Hochburgen des rauen Wettbewerbs statt als Orte der Zusammenarbeit.“ 

Die deutschen Business-Schools haben ihr Imageproblem erkannt – und steuern mit zahlreichen Programmen zur Förderung weiblicher Studenten gegen. Auch im eigenen Interesse. „Diversität ist für uns der Schlüssel zu größerem Lernerfolg. Deshalb ist es unerlässlich, Bewerber anzuziehen, die hinsichtlich Geschlecht, Herkunft und Ausbildung unterschiedlich sind“, sagt Kai Stenzel, Chief Marketing Officer an der Mannheim Business School. 

Auch die WHU – Otto Beisheim School of Management achtet verstärkt darauf, dass bei Gastvorträgen, Abschlussfeiern und anderen Veranstaltungen regelmäßig Frauen als Redner und damit als Vorbild auftreten. Zudem soll der Anteil der Professorinnen von heute 23 Prozent deutlich steigen. In diesem Jahr trat die Hochschule aus Vallendar bei Koblenz ferner dem „30 % Club“ bei, der sich für eine stärkere Teilhabe von Frauen in der Wirtschaft einsetzt. Die Alumna-Organisation „Ladies@WHU“ hat einzelne Veranstaltungen für MBA-Studentinnen geöffnet. Stipendien, die regelmäßige Teilnahme an der europäischen Leitmesse „Women and Work“ in Frankfurt sowie eine überarbeitete Website mit stärkerer Einbindung von Absolventinnen sind weitere Bausteine des Programms. 

Aber auch vom Gesetzgeber müssten Impulse für mehr Frauenförderung kommen, sagt Martin Fassnacht, Akademischer Direktor des MBA-Programms an der WHU. „Wenn es wie bei den Aufsichtsräten eine Quote für weibliche Vorstände gäbe, würde das auch das Interesse von Frauen am MBA steigern“, glaubt Fassnacht, der sich vom Quotengegner zum Befürworter gewandelt hat. „Wir haben in Deutschland einen Mangel an verschiedenen Charakteren in der Führung. Studien zeigen aber, dass gemischte Vorstände erfolgreicher sind.“ 

So belegte Credit Suisse bereits 2012 in einer Auswertung von mehr als 2400 Unternehmen weltweit, dass Firmen mit mindestens einer Frau in der Chefetage deutlich bessere Ergebnisse erzielen als solche, die ausschließlich von Männern geführt werden. „Dies sollte Grund genug sein, Chancengleichheit nicht erst in den Unternehmen, sondern bereits an den Business-Schools zu fördern“, sagt ESMT-Professor Barniville. 

Bisher hätten alle Versuche, mithilfe von Stipendien, Alumna-Vereinen und Mentoringprogrammen mehr Frauen für ein MBA-Studium zu begeistern, allerdings wenig gebracht, gibt er zu. „Es ist uns nicht gelungen, den Anteil der MBA-Absolventinnen nachhaltig zu erhöhen.“ 2018 lag die Quote beim Vollzeit-MBA an der ESMT nur bei 35 Prozent – sogar fünf Prozentpunkte unter dem Stand von vor fünf Jahren. 

Nadja Scherer glaubt nicht daran, dass die zahlreichen Initiativen und Förderprogramme ausreichen, den Trend zu drehen. Wie Martin Fassnacht von der WHU hält sie eine Frauenquote für Vorstände für einen guten Weg, um die Parität zu erreichen. Dann würden auch automatisch mehr Frauen die Mühen eines MBA-Studiums auf sich nehmen. Christian Berg, Geschäftsführer der Allbright-Stiftung, ist da weniger optimistisch. Das Umdenken müsse von den Unternehmen ausgehen, sagt er im Handelsblatt-Interview: „Die Chefs müssen das wollen. “

Eli Hamacher, Berlin © Handelsblatt Media Group GmbH & Co. KG. Alle Rechte vorbehalten. Zum Erwerb weitergehender Rechte wenden Sie sich bitte an nutzungsrechte@vhb.de.

MANNHEIM BUSINESS SCHOOL (MBS)

Located in the heart of the German and European economy, Mannheim Business School (MBS), the umbrella organization for management education at the University of Mannheim, is considered to be one of the leading institutions of its kind in Germany and is continuously ranked as Germany’s #1.

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